Ein Männergesangsverein entsteht

Friedrich Lobenstock, der Chorleiter des Kirchenchores Absam, versuchte schon um 1910 innerhalb des Kirchenchores einen Männerchor zu bilden. Seine Ideen unterstützten der Gastwirt Eduard Hotter, der Direktor der Stadtwerke Hall, Alois Figl, der Salzbergarbeiter Sepp Poßmoser, der Bauer Sepp Strasser, der Bauer Jakob Huber sen. sowie der Webmeister Hans Bogner.

 

Der erste Weltkrieg machte den Bemühungen ein jähes Ende. Erst in der schweren Nachkriegszeit haben die liedbegeisterten Männer im Jahre 1922 den Männergesangsverein Absam gegründet. Damals fungierten Edi Hotter als Obmann sowie Karl Katschthaler als Chorleiter.

Geprobt wurde bereits im "Sängerstüberl" beim Kirchenwirt. Die Cäcilienfeier, die bis zum heutigen Tage alle Jahre wieder gefeiert wird, wurde sehr familiär gestaltet. Auch der bis heute erhaltene Magdalena-Kirchtag wurde gefeiert, und der Thaurer Pächter verwöhnte damals schon die Sänger mit Krapfen und Wein.

Neuaufbau nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem 2. Weltkrieg wurde bereits im Mai 1945 am Wiederaufbau des Chores gearbeitet. Bereits am 5. Mai kamen 11 Vereinsmitglieder des MGV Absam zur ersten Besprechung in das still gewordene Sängerzimmer beim Kirchenwirt. Es waren Klaus Poßmoser, Alois Vigl, Toni Gimpl, Willi und Ernst Feistmantl, Franz Lobenstock, Seppl Probst, Jakob Huber, Rudolf Auer, Max Peinstingl und Toni Würtenberger. Ein provisorischer Ausschuß und dem Obmann Klaus Poßmoser wurde gegründet.

 

Am 12. Mai 1946 wurden folgende 18 Mitglieder angemeldet: Klaus Poßmoser, Hans Lobenstock, Ernst Feistmantl, Toni Gimpl, Jakob Huber, Seppl Probst, Franz Lobenstock, Pepi Witsch, Pepi Posch, Hans Bogner, Toni Haider, Franz Zucol, Hugo Pertinger, Franz Strasser, Toni Würtenberger, Franz Pfanzelter, Hans Plank und Hans Hollaus. Obmann wurde Klaus Poßmoser, Chorleiter Hans Lobenstock, Schriftführer Toni Würtenberger.

 

Am 31. August 1946 erhielt der Verein von der Landesleitung des Tiroler Sängerbundes (TSB) in Innsbruck im Auftrag der französischen Militärregierung und des Sicherheitsdirektors von Innsbruck die Genehmigung, als MGV Absam öffentlich aufzutreten.

Das Gründungskonzert fand am 6. Oktober 1946 statt. Alle 226 Sitzplätze beim Kirchenwirt waren innerhalb von 2 Tagen vergeben. Ein 16 Mann starkes Absamer Streichorchester unter der Leitung von Hans Ebenbichler leitete den Abend ein. Festredner war Alois Vigl. Fritz Lobenstock und Toni Gimpl wussten mit ihrem Zitherspiel ("Frühlingserwachen") zu begeistern. Die Sopranistin Midi Poßmoser sang "Mein Herz tu dich auf" von Franz Abt und Erich Hauser war der Flügelhornsolist der "Post im Walde". Ein Höhepunkt war die Uraufführung des Liedes von Hans Lobenstock "Ein Lied aus Tirol". Die vereinseigene "Halltaler Musig" leitete den 2. Teil des Abends ein, Walter Weber aus Innsbruck führte durch den Abend. Der Reinerlös des Abends von öS 800,-- wurde den Kriegsopfern der Kameradschaft Hall zur Verfügung gestellt.

Namensänderung

Am 14. September 1950 schlug Sangesbruder Toni Gimpl vor, den "Männergesangsverein Absam" zu Ehren des großen Absamer Geigenbaumeisters in den "Jakob-Stainer-Chor Absam" umzubenennen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen und seitdem schmückt dieser Name unseren Chor.

75-Jahr-Feier 1997

1997 wurde für den Jakob-Stainer Chor zu einem besonderen Jahr. Gefeiert wurde das 75-jährige Bestehen dieses Absamer Traditionsvereines.

 

Unter Obmann Helmut Kecht und Chorleiter Erich Holzhammer wurde ein abwechslungsreiches Programm gestaltet, das unter anderem eine Messgestaltung am 1. Mai, eine Untermalung der Muttertagsfeier beim Kirchenwirt sowie ein Mariensingen in St. Magdalena und ein Schlosskonzert im Schloss Melans beinhaltete.

 

Weitere Höhepunkte des Jahres waren der traditionelle Magdalena-Sonntag im Juli, die Cäcilienfeier mit Festakt und heiliger Messe sowie ein Frühschoppen mit Gastchören beim Kirchenwirt. 

 

 

"Neuzeit"

Neben den traditionellen Fixpunkten des Vereinsjahres zählen auch die Gestaltung einer Rorate in der Adventzeit, die Begleitung bei einer Monatswallfahrt in der Basilika sowie die Adventsingen am Absamer Christkindlmarkt und in der Absamer Kirche zu den Fixpunkten im Sängerkalender.

 

Das Kirchweihfest in St. Magdalena

Das kleine Kloster beherbergte einige "Waldbrüder" und wurde bereits 1440 gleichnamig genannt. Das Kirchlein wurde 1446 der heiligen Magdalena geweiht. 1689 wurden diese Gebäude durch Erdbeben zerstört, bereits ein Jahr später wieder aufgebaut. 

Nach dem 1. Weltkrieg verwahrloste die Kapelle, sodass der eindrucksvolle gotische Flügelaltar 1923 in die Kriegergedächtniskapelle nach Hall übertragen wurde. 1946 - 500 Jahre nach ihrer ersten Weihe - wurde die Kapelle restauriert und wieder neu geweiht.

Am 1. September 1946 zog man zu Fuß von der Absamer Pfarrkirche ins nebelverhangene Halltal, um die Wiederweihe des Kirchleins musikalisch zu umrahmen.

 

Die Gestaltung der heiligen Messe im Kirchlein, anschließend ein(ige) Lied(er) im Freien, die vom Wirt gespendeten Kirchtagskrapfen und ein Gläschen Wein - diese angenehmen Gewohnheiten wurden bis zum heutigen Tage beibehalten. In den Nachkriegsjahren war man zufrieden mit der "Knödelpartie" in den Herrenhäusern oder mit Hauswürsten, die man selbst mitgebracht hatte. Die meisten Sänger wandern auch noch heute auf Schusters Rappen ins geschichtsträchtige Halltal, wo aus dem bescheidenen Zusammensitzen der Nachkriegszeit ein stimmungsvolles Kirchweihfest mit Messe, Chor und Musik wurde.

Das Fest der heiligen Cäcilia

Alljährlich wird am Fest der hl. Cäcilia - eine Woche vor dem 1. Adventsonntag - der Sängerjahrtag gefeiert. Der Haller Lokalanzeiger berichtete  über die Feier am 21. November 1949:

"Die Cäcilienfeier des Männergesamgsvereines Absam am vergangenen Sonntag hatte ihren Glanzpunkt in dem Konzertabend beim Kirchenwirt, den Hans Lobenstock als musikalischer Leiter unter dem Motto 'Lieder, die die Mutter sang' zusammengestellt hatte. Das ausgezeichnete Bläserquartett der Halltaler Musik eröffnete mit einer Festfanfare von Lobenstock,der ein Festprolog folgte. Die Ansage besorgte der vom Rundfunk bekannte Walter Weber aus Innsbruck, die Begrüßungsansprache hielt Obmann Ernst Feistmantl. Allgemein anerkannt wurde die Vortragsfolge des MGV, der mit tiefem musikalischen Empfinden und technisch gut ausgebildeten Stimmen seine schönen Lieder darbot. Beim anschließenden Kränzchen spielte die Halltaler Musik zum Tanz."

 

Schon 1950 änderte sich die Gestaltung dieses Festabends. Am Sonntag, den 26. November, gestaltete der Chor die heilige Messe, anschließend erfolgte - erstmals in den neuen Trachten - das Totengedenken und die Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal. Das Bläserquartett Hugo Pertinger, Pepi Witsch, Hermann Menghin und Gottfried Zanger sen. intonierten das Lied vom guten Kameraden.

 

Abends gab es das Kränzchen im übervollen Saal beim Kirchenwirt, bei dem im zweiten Teil vor allem Lieder von Hans Lobenstock gesungen wurden.

 

 

Im Jahre 2016 wird die Cäcilienfeier in den Pfarrsaal Absam-Eichat zurückkehren, wo am Samstag Abend ein Festkonzert stattfinden wird. Am Sonntag wird die heilige Messe mit unserem Chor und der darauf folgenden Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal wie gewohnt in der Absamer Basilika gefeiert.

Die Tiroler Abende

Die Tiroler Abende des Chores haben in ihrer Form seit 1946 manche Änderung erfahren. Am 9. Oktober 1947 begann der Chor mit einem "besinnlichen Tiroler Abend". Die Gäste wurden mit Absamer Persönlichkeiten bekanntgemacht (z.B. mit Walburga Schindl, Hermann von Gilm oder Reimmichl). Sogar der Einakter "Der Naz" von Franz Kranewitter wurde aufgeführt. Beim "Kulturabend" am 6. April 1952 anlässlich des 130. Todestages von Jakob Stainer sprach Prof. Senn über sein Stainer-Buch, Dr. Coleselli berichtete über das Leben Stainers und Dr. Reisinger spielte auf einer Stainergeige.

 

1955 lud der Verkehrsverein Absam den Stainerchor ein, Tiroler Abende beim Kirchenwirt, beim Ebner und im Halltaler Hof zu organisieren. So bot der Chor mit der Halltaler Musik, dem Zitherspieler Toni Gimpl, den Gesangsduos Plank und Pfanzelter und Robert Zangerl mit dem Gedicht über Jakob Stainer viele Jahre hindurch ein anspruchsvolles Programm. Die dem Verein zugehörigen Schuhplattler Willi Brenner, Max Holzhammer, Alfons Ebster jun. und Hans Huber begeisterten jung und alt.

 

In den 70er Jahren lud sich der Chor für diese Abende Gäste wie die Tanzkapellen "Berglandbuam", "Die lustigen Milser", die "Falkensteiner" oder auch die Schuhplattler aus Heiligkreuz ein. Im Vereinsjahr 1982/83 wurden nicht weniger als 23 Tiroler Abende durchgeführt.

 

 

Heute ist es wesentlich ruhiger geworden, die Auftritte beschränken sich auf einmal im Jahr beim Kongress Igls oder vor dem Goldenen Dachl.